John Asht: Allein gegen die Mafia

Als ich die Geschichte um den Autor John Asht und seine Empfindlichkeit bei einer bestimmten negativen Rezension mitbekam, war sie eigentlich schon wieder kalt geworden. Aber nachdem er selbst offensichtlich weiter an der Verfolgung der „Rezensionsmafia“ arbeitet, wärme ich das Ganze nochmal auf (vielleicht kennt es ja irgendjemand noch nicht).

Der Ablauf der Ereignisse in Kurzfassung:

Februar 2011: Ashts Buch „TWIN-PRYX: Zwillingsbrut“ erscheint (das Datum gibt zumindest Amazon an)

16. November 2011: Im Blog „Bücherzeit“ veröffentlicht die Autorin „Myriel“ eine Rezension/Kritik/Meinung, die nicht positiv ausfällt. Sie gibt zu, das Buch nur bis Seite 90 (von über 900) gelesen zu haben, weil sie schlicht keine Lust mehr hatte, sich weiter zu quälen. Speziell zum Kritikpunkt „schwerfällige Sprache“ kann sich jeder durch die Leseprobe bei Amazon und die Zitate in den dortigen Rezensionen selbst einen ersten Eindruck verschaffen.

17. Dezember 2011: Einen Monat nach der Veröffentlichung des Blogartikels erfolgt heute der erste Kommentar. Er stammt von John Asht höchstselbst, der meint, daß Myriel „mit gehobener Literatur überhaupt nichts anfangen kann“. Gute 3 Stunden später setzt er hinzu, daß er rechtliche Schritte gegen die Autorin des Artikels und das ganze Blog einleiten will.

Wiederum einige Stunden später sowie am nächsten Tag sekundiert ihm seine Verlegerin, Antje Roder, und droht sowohl mit gerichtlichem Vorgehen als auch damit, den Börsenverein des Deutschen Buchhandels zu informieren, daß Myriel es wagt, Literaturkritiken über nicht vollständig gelesene Werke zu verfassen.

Danach passiert erst einmal: gar nichts. Obwohl Myriel ihre Postadresse an Frau Roder übermittelt, kommt allem Anschein nach weder Post von einem Anwalt oder Staatsanwalt, noch von Gericht oder Polizei.

20. Januar 2012: John Asht beginnt in seinem eigenen Blog einen Artikel (der in den darauffolgenden Tagen mehrfach ergänzt und geändert wird) über eine „gescheiterte Studienhopperin“, deren Manuskript von einem Verlag abgelehnt wird. Daraufhin ersinnt sie einen Racheplan, bei dem sie zunächst die Rezension eines Buches dieses Verlags ankündigt und auf eine finanzielle Zuwendung für eine positive Kritik hofft. Nachdem diese nicht kommt, verreißt sie das Buch, ohne es je gelesen zu haben.

John Ashts erstes Problem: Er hält diese Geschichte für real. Obwohl er in dem Blogbeitrag keine Namen nennt, deutet doch manches darauf hin, daß er sich auf Myriel und seinen eigenen Verlag bezieht.

John Ashts zweites Problem: Er hat eine „besondere“ Rechtsauffassung:

Sobald eine Rezension veröffentlicht ist, untersteht sie nur dann dem Schutze der freien Meinungsäußerung, insofern sie zutreffend fundiert und objektiv analysiert ist – vor allem aber muss der Rezensent das gesamte Werk von der ersten bis zur letzten Seite gelesen haben.
[…]
 Für nur angelesene Bücher kann man höchstens ein referierendes Statement abgeben – allerdings niemals in einem Rezensionsblog. Ansonsten spricht man von gezielter Geschäftsschädigung wider besseren Wissens. Das ist kriminell und wird vom Gesetz geahndet sowie von der Staatsanwaltschaft vor Gericht gebracht, nach UWG (Unlauterer Wettbewerb Gesetz)

(Quelle: Ashts Blog)

„Rezensent_in“ ist aber keine geschützte Berufsbezeichnung (anders als z. B. „Kfz-Meister“).

Sein drittes Problem: Er behauptet Zusammenhänge ohne den Hauch eines Beweises dafür zu haben:

Das Resultat der Nachforschungen ergibt, dass als Drahtzieher der Literaturkriminalität im deutschsprachigen Internetraum, ein gewisser Herausgeber einer zwielichtigen, literaturkritischen Onlinezeitung in Frage kommt.
[…]
Der Strippenzieher nennt sich in Google GEOLOGE und schaltet bei Amazon Destruktiv-Rezis, […]

(Quelle: Ashts Blog)

Er scheint damit Horst Hermann von Allwörden zu meinen, wenn man diesem Blogartikel glauben darf. Es gibt aber keinen plausiblen Hinweis, daß von Allwörden „Geologe“ wäre oder gar Drahtzieher eines Komplotts gegen Asht.

Nochmal ganz ausführlich kann man die Geschichte bis hierhin in der Februar-Ausgabe des „Fandom Observer“ online nachlesen, inklusive Gedanken über die wirkliche Situation der Korruption in der Internet-Literaturkritik und einem Interview mit John Asht.

Am Sonntag nun kündigte Asht an, ab Montag täglich „Fakten“ (er benutzte dieses Wort) über die „Rezi-Mafi“ auf einer Seite in seinem Blog zu veröffentlichen.

Bei den „Fakten“, die dann tatsächlich gestern zu lesen waren, fehlte mir allerdings etwas Entscheidendes: Namen. Er spricht nochmals von einer „Möchtegern-Literaturkritikerin“, die Bücher kleinerer Verlage abstraft und Werke aus großen Verlagen übermäßig lobt und vermutet eine Bezahlung für dieses Verhalten:

Das ist nicht nur unseriös, sondern kriminell – und wer sie dazu anstiftet und bezahlt, ist noch viel krimineller.

(Quelle: Ashts Blog)

Welche Kritiker von welchen Verlagen denn nun angeblich bezahlt werden, steht nicht da.

Diese Verschwörung reicht in höchste Kreise, scheint Asht zu vermuten:

Man könnte sogar behaupten, dass die Großverlag-Konsortien das Parlament manipulieren – und auch, dass gewisse Lobbyisten die diesbezüglichen Ermittlungen behindern, sodass die kriminellen Rezensenten leichtes Spiel haben.

(Quelle: wie zuvor)

Noch viel mehr Menschen sind daran beteiligt:

Um sie herum aber agiert ein ganzes Netz von ebensolch korrumpierten Literaturkriminellen – sie sind organisiert, wie ein hirnloser Zombiehaufen.

(Quelle: wie zuvor)

Und wo ein „hirnloser Zombiehaufen“ (der üblicherweise nicht organisiert ist), da braucht es auch einen Anführer:

Ihr einschlägiges Wirken wird meist koordiniert von einer billigen literarischen Onlinezeitung, deren schräger Herausgeber all seine Schwachköpfe zum Buchboykott anstiftet.

(Quelle: wie zuvor)

Richtig ist, daß es nach Ashts Androhung juristischer Schritte gegen Myriel (aber eben erst dann) eine Menge weiterer, negativer Artikel in anderen Blogs gab, ebenso wie negative Amazon-Rezensionen.

Das ist aber ein völlig normaler Mechanismus des Web 2.0. Eine Ansammlung Schaulustiger bei einer Massenkarambolage, die vielleicht noch per Handy Ihren Bekannten Bescheid sagen, ist auch keine organisierte Rumsteh-Mafia.

Auch heute hat er sein „Journal“ ergänzt, viel Neues gibt es aber nicht:

Asht behauptet einen Schaden von 15.000 Euro, der bisher durch die negativen Rezensionen angerichtet worden sein soll. Er nennt „Geologe“ ab jetzt „Arsch-Geologe“, was ziemlich unkreativ ist für einen Schriftsteller, erfindet dafür aber die Wortneuschöpfung „Infraktionssklave“. Nach meinem eigenen Deutungsversuch ist das jemand, der durch das Anbrechen von Knochen gefügig gemacht wurde. Oder so ähnlich.

Man kann schon mal anfangen zu wetten, wann Asht die Illuminaten und Außerirdische in seine Theorien miteinbezieht.

Update: Es gibt eine Fortsetzung: „Der eigenartige Buchclub“.

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3 Antworten to “John Asht: Allein gegen die Mafia”

  1. Susanne Says:

    … und jetzt schlägt er auch noch auf die armen BuchhändlerInnen ein … Die stecken selbstverständlich mit in der Verschwörung. OMG.

    • mbutscher Says:

      Er hat noch vergessen zu erwähnen, daß Buchhandlungen Regale haben, teilweise aus Holz, das bestimmt auch aus brasilianischen Regenwäldern stammt. Der große Drahtzieher der Verschwörung ist also: IKEA.

  2. Susanne Says:

    … und natürlich: „Teutsche, kauft teutsche Bücher!“
    An dem Punkt vergeht mir das Lachen dann doch gründlich.

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