Archive for the ‘Presse’ Category

Frankenpost: Regional vermuten, lokal einfach mal annehmen

19.06.2012

Zunächst zum Hergang der Geschichte:

Im kleinen Örtchen Ziegenburg brennt Samstag Nacht ein Wohnhaus aus.

Sonntag morgen wird in der Nähe am Waldrand durch einen Hubschrauber ein ausgebranntes Auto entdeckt, darin eine verkohlte Leiche.

Nachdem das einsturzgefährdete Haus gesichert ist, wird auch dort eine verbrannte Leiche gefunden.

Bis Dienstagabend war außerdem Folgendes sicher:

Bei der Leiche im Haus handelt es sich um dessen ehemalige Besitzerin, Gräfin von Luxburg, die anscheinend ein Wohnrecht für das Haus besaß. Der neue Besitzer ist ein Andreas S., 35 Jahre, der mit seiner Verlobten dort wohnte, die aber vor kurzem auszog, weil es anscheinend Streit gab. Die Gräfin verstarb durch einen Kopfschuss, im ausgebrannten Fahrzeug, einem Mercedes Kombi, der von Andreas S. benutzt wurde, fand sich neben der männlichen Leiche außerdem eine Schusswaffe.

Die Autorin Melitta Burger hat mehrere Artikel dazu geschrieben, zwei davon am Dienstagabend (zuletzt bearbeitet am 18.06.2012 um 21:47 Uhr bzw. 21:42 Uhr, laut der Frankenpost-Website).

Im Artikel für die Region Oberfranken formuliert sie vorsichtig:

Hannelore von Luxburg war nach einem Kopfschuss bereits tot, als ihr Mörder zunächst die beiden Hunde in Sicherheit brachte und danach das Haus vermutlich mithilfe eines Brandbeschleunigers in Flammen aufgehen ließ. Täter ist wahrscheinlich der 35-jährige Andreas S., der ebenfalls in dem Haus gewohnt hatte. Obwohl die Identifizierung der völlig verkohlten Leiche in dem ausgebrannten Auto bislang noch nicht abgeschlossen ist, geht die Polizei davon aus, dass es sich um Andreas S. handelt. Mord und Selbstmord ist nach den bisherigen Ermittlungen die wahrscheinlichste Annahme für die Geschehnisse in der Nacht zum Sonntag.

Auch hier könnte man natürlich diskutieren, woher sicher ist, daß es überhaupt ein Mord war und daß der Mörder auch Brandstifter ist (und daß er/sie die Hunde in Sicherheit brachte).

Während die Identität der Gräfin von Luxburg am Montagmittag bereits endgültig feststand […], ist dies den Ermittlern bei dem zweiten Leichnam noch nicht endgültig gelungen. Bislang sei sicher, es handle sich bei dem Verbrannten um einen Mann, sagte Thomas Janovsky.

Im Lokalbereich für Kulmbach (zuletzt geändert 5 Minuten vor dem anderen Artikel) haut Melitta Burger dagegen auf die Kacke:

Was hat Andreas S. in einen solchen Ausnahmezustand versetzt, dass er Hannelore Gräfin von Luxburg durch einen Kopfschuss tötete, das Haus in Brand steckte, in dem beide lebten und sich dann im Wald in seinem Auto verbrannte?
[…]
War Andreas S. so verzweifelt, weil er verlassen wurde? Hat es „einfach so“ Streit gegeben zwischen ihm und seiner Mitbewohnerin, der Gräfin? Was wirklich geschehen ist in diesen letzten Minuten wird wohl für immer im Dunklen bleiben.
[…]
Warum auch immer, es war wohl Andreas S., der die Waffe auf die 78-jährige Frau richtete und ihr in den Kopf schoss. Dann muss der Täter in einem lichten Moment die Hunde aus dem Haus gebracht, das Feuer gelegt und schließlich sich selbst ums Leben gebracht haben.
(Hervorhebung von mir)

Mit dem „wohl“ und an einigen anderen Stellen hat die Autorin dann doch sicherheitshalber ein paar Relativierungen eingebaut.

Es gibt bislang keinen Anhaltspunkt, daß es nicht so war, wie es die Autorin beschreibt, aber trotzdem klingt der Artikel für den Lokalteil ein bißchen sehr nach Boulevard („Prinzessin Hermeline schwanger! Oder vielleicht auch nicht …“).

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Leistungsschutzrecht: Der Entwurf ist da

14.06.2012

Heute ist ein erster Referentenentwurf des Leistungsschutzrechts für Presseverleger öffentlich geworden (via netzpolitik.org), das die Regierung bald beschließen will.

Die Grundidee des Gesetzes ist es, Presseverlegern das Recht einzuräumen, sogar für kleine Schnipsel aus ihren Produkten bei gewerblicher Nutzung Geld zu verlangen. Das Urheberrecht deckt diesen Fall nicht ab, da dort ausdrücklich das Verwenden von Zitaten aus anderen urheberrechtlich geschützten Werken ohne Gegenleistung erlaubt ist.

Betroffen wäre zunächst einmal offensichtlich Google (speziell Google News), das zu jedem passenden Suchergebnis gleich einen kurzen Textauszug mitliefert.

Aber besonders, wenn man die Begründung im oben verlinkten Entwurf durchliest, tauchen doch einige Fragen auf:

Für das Leistungsschutzrecht für Presseverleger sollen ferner auch die Schranken des Urheberrechts gelten, also vor allem auch die Zitierfreiheit.
(Seite 6)

Die Schnipsel von Google sind also keine Zitate? Und wenn sie keine Zitate sind und auch nicht anderweitig den Schranken des Urheberrechts unterliegen, warum war es dann auf Basis des bisherigen Urheberrechts nicht möglich, sie gerichtlich zu verbieten oder eine Vergütung zu fordern?

Das Ausschließlichkeitsrecht des Presseverlegers als ein umfassendes Verbotsrecht wird im Übrigen nur insoweit gewährt, als das Presseerzeugnis – sei es unmittelbar oder mittelbar – zu gewerblichen Zwecken öffentlich zugänglich gemacht wird.
(Seite 9)

Was bedeutet „gewerblich“ hier?

Abweichend vom gewerbe- oder steuerrechtlichen Gewerbebegriff erfasst Nutzung „zu gewerblichen Zwecken“ jede Nutzung, die mittelbar oder unmittelbar der Erzielung von Einnahmen dient sowie jede Nutzung, die in Zusammenhang mit einer Erwerbstätigkeit steht.
(Seite 9)

Äh, ja … Beispiele?

Ist z.B. ein Blogger hauptberuflich als freiberuflicher Journalist tätig und setzt er sich auf seinem Blog mit seinem Schwerpunktthema auseinander, dann handelt er, wenn er hierbei Presseerzeugnisse von Dritten nutzt, zu gewerblichen Zwecken.
(Seite 10)

Wenn sich also ein Journalist für ein privates Blog mit dem Gleichen (z. B. Fußball) beschäftigt, mit dem er sich hauptberuflich befaßt, ist das gewerblich?

Wer z.B. einen Blog als Hobby unentgeltlich und ohne Bezug zu seiner beruflichen Tätigkeit betreibt, handelt nicht zu gewerblichen Zwecken.
(Seite 11)

Im privaten Blog sollte man dann also tunlichst vermeiden, die Arbeit auch nur zu erwähnen?

Ein Blog verfolgt auch nicht allein deshalb gewerbliche Zwecke, weil er über Werbeeinblendungen des Hostanbieters Einnahmen für diesen generiert.
(Seite 11)

Das ist beruhigend. Aber:

Verwendet ein Blogger zu seinem Hobby-Blog Fachartikel aus einschlägigen Presserzeugnissen [sic] und blendet er zur Refinanzierung seiner Unkosten Werbebanner oder den Bezahl-Button eines Micropaymentdienstes ein, dann handelt er zu gewerblichen Zwecken und muss eine Lizenz erwerben. Darauf, ob der Blogger die Absicht hat, mit der Werbung einen Gewinn zu erzielen, kommt es nicht an.
(Seite 11)

Aber:

Ist ein Blogger ehrenamtlich für einen gemeinnützigen Verein tätig und berichtet über die Vereinsaktivitäten, handelt er bei der Nutzung zu gemeinnützigen, sozialen oder karitativen Zwecken und damit nicht zu gewerblichen Zwecken.
(Seite 11)

Und wenn er Werbebanner zur Finanzierung eines Blogs über einen gemeinnützigen Verein schaltet, muß er dann zahlen oder nicht? Wird er dann zum Leistungsschutzzombie?

Dieser Referentenentwurf hat jedenfalls schon viel Scheußliches und besser kann es eigentlich auch nicht werden, wenn man den grundsätzlichen Widerspruch des Gesetzes betrachtet:

Wie kann man ein Recht zur Lizenzierung von kleinen Textschnipseln (Zitaten) einführen, aber gleichzeitig die Urheberrechtsschranke erhalten, die das Zitieren ohne Lizenz erlaubt?

Update (17.06.2012): Meine obige Argumentation ist Murks, Googles Snippets sind nicht durch das Zitatrecht gedeckt, sondern sind wegen mangelnder Schöpfungshöhe erlaubt.

Das wirkliche Problem sind die Ungenauigkeiten:

Was ist „gewerbliche“ Nutzung (siehe oben)?

Was sind „kleine Teile“ eines Presseerzeugnisses? Bereits die Überschrift, ein einzelnes Wort, die Worte aus dem Titel, die in einem „sprechenden“ Link enthalten sind?

Wann ist ein Textausschnitt tatsächlich ein Zitat? §51 Urheberrechtsgesetz meint dazu:

insbesondere, wenn […] Stellen eines Werkes nach der Veröffentlichung in einem selbständigen Sprachwerk angeführt werden

Wann haben wir ein „selbständiges Sprachwerk“?

Anstatt die vorhandenen Rechtsunsicherheiten im Urheberrecht abzubauen, wird es also noch schlimmer.

Unfaßbar

19.04.2012

Julia von Weiler, Geschäftsführerin von „Innocence in Danger“, einem Verein, der sich offiziell gegen Kindesmißbrauch engagiert (speziell im Zusammenhang mit dem Internet), hat ein Buch geschrieben. Dazu steuerte TAZ-Autor Christian Füller einen Artikel bei, den man durchaus als Werbung für das Buch bezeichnen kann.

Nachdem der Grünen-Politiker Jörg Rupp sich in einem Tweet über den Artikel ärgerte und darin „Und dann wieder die alte Kinderpornoleier“ schrieb, antwortete Füller mit einem zweiten Stück in der TAZ.

Der Ausdruck „Kinderpornoleier“ mag zwar unglücklich gewählt sein, aber daß Füller deswegen einen Aufschrei der Empörung behauptet, ist übertrieben. Rupp erklärt in seinem Blog die Geschichte nochmals aus seiner Sicht.

Besonders bemerkenswert in Füllers zweitem Artikel finde ich ja diese Stelle, in der Ursula Enders, Leiterin der Kölner Kontaktstelle gegen sexuelle Gewalt, bemerkt:

„Kinder, die Kinderpornografie ansehen, sind oftmals genauso belastet wie die unmittelbaren Opfer sexueller Gewalt.“

Das Betrachten der Bilder habe oft eine Traumatisierung zur Folge. Realer Missbrauch habe meistens irgendwann ein Ende, sagte Enders, „die kinderpornografischen Bilder aber lassen die Kinder nicht mehr los“.

Ich weiß nicht, ob Enders das wirklich so gemeint hat oder ob Füller beim Paraphrasieren einen Fehler gemacht hat.

Einer der beiden hatte hier aber offensichtlich einen geistigen Totalausfall: Kinder und Jugendliche, die zufällig über Mißbrauchsdokumentation im Internet stolpern (was übrigens nicht sehr wahrscheinlich ist) leiden darunter also lebenslänglich, während das mißbrauchte Kind, sobald der Mißbrauch vorbei ist, fröhlich pfeifend seiner Wege geht?

Einfach unfaßbar.

Frankenpost: Tückische Milchmädchenrechnung

04.04.2011

Die Frankenpost warnt in einem Artikel vor tückischen Internet-Flatrates für Handys:

Denn die Mobilfunkkonzerne unterbieten sich gegenseitig mit günstigen Flatrates, die uneingeschränktes Surfen im Netz versprechen. Wer sich vor Vertragsabschluss aber nicht umfassend informiert, lernt schnell die Grenzen dieser angeblichen Freiheit kennen.

Allerdings hat die Autorin Madelaine Ruska (der Name steht nur hier) sich selbst auch nicht so genau informiert oder hat schlicht nicht genau hingesehen, denn sie rechnet:

Weltweit gibt es mittlerweile 5,1 Milliarden Mobilfunkanschlüsse. Zum Vergleich: Die Weltbevölkerung lag Anfang des Jahres bei knapp sieben Milliarden. Das bedeutet, mehr als 80 Prozent der Menschen auf der Welt besitzen ein Handy.

Kurz nachdenken … sehen Sie den Fehler?

Es ist ein beliebter Fehler, zugegeben. Es wurde nämlich die Anzahl der Anschlüsse mit der Anzahl der Nutzer verwechselt.  Nach dieser Logik benutzen aber z. B. 130% der Deutschen ein Mobiltelefon (inklusive Babies und Kleinkindern).

Betrachtet man eine Tabelle aus der Wikipedia, in der für jedes Land die Bevölkerung und die Anzahl der Mobilfunkanschlüsse gelistet sind, nimmt bei jedem Land den kleineren Wert davon und summiert sie auf, ergibt sich eine Gesamtsumme von 4.176.461.542, also 60% der Weltbevölkerung als obere Grenze für die tatsächliche Zahl der Mobilfunknutzer.

Fatales Grundrecht

23.09.2010

Zu so etwas:

Auch das strafrechtliche Prinzip „Im Zweifel für den Angeklagten“ entfaltet auf diesem Deliktsfeld [Kindesmißbrauch] nach wie vor eine fatale Wirkung.
Quelle: FAZ.net

fällt mir nur noch reine Polemik ein:

Haben Sie noch alle Latten am Zaun, Herr Deckers?

Noch mehr Echt. Stark. Irgendwas

16.07.2010

Ich hatte ja bereits über den neuen Slogan für Oberfranken („Echt. Stark. Oberfranken!“) erzählt und darüber, daß er bereits von einer Bank benutzt wird („Echt. Stark. Meine VVB„).

Auch der Nordbayerische Kurier (der die Slogansuche mit veranstaltet hat) hat inzwischen die Geschichte aufgegriffen.

Dabei äußert sich auch Regierungspräsident Wilhelm Wenning, gleichzeitig der stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Oberfranken offensiv“, welcher mit dem ganzen Dachmarkenprozeß (Slogan, Logo und vielleicht noch Schlimmeres) betraut ist. Angeblich habe man den Slogan nämlich „gecheckt“, den VVB-Spruch aber nicht gefunden.

Besonders gründlich kann der Check ja nicht gewesen sein, denn es findet sich mit einer Google-Suche noch mehr:

Ein SPD-Ortsverein mit „Echt. Stark. Für Kronshagen„.

In Österreich ein Hersteller von Spielgeräten für Kinder:  „.Echt.Stark. Naturspiele Lanz

und ebenfalls in Österreich eine Werbung der Kronenzeitung mit Arnold Schwarzenegger als „Echt. Stark. Steirisch!“ (sogar das Ausrufezeichen stimmt überein).

Vielleicht hätte man besser zunächst mal die Jury für die Sloganauswahl „gecheckt“, ob die für ihre Arbeit qualifiziert ist.

Bla. Bla. Oberfranken!

12.07.2010

Der Grund kann nur vermutet werden. Eventuell waren es die Proteste um das nichtssagende Logo, vielleicht war es aber ohnehin so geplant: Vier regionale oberfränkische Zeitungen riefen ihre Leser (also die tatsächlich Betroffenen) auf, ihre Vorschläge für einen Slogan zum Logo einzureichen.

Dem kamen auch viele nach, wie man im Nordbayerischen Kurier (als unhandliche Klickstrecke verwurstet) und in der Frankenpost sehen kann. Bei letzterer finden sich die besten Sprüche übrigens darunter in den Kommentaren:

Oberfranken – Wo stets die Einwohnerzahlen sanken

Oberfranken – Weil uns Unterfranken einfach zu wenig ist

Und mein Favorit:

Oberfranken – arbeitslos und stressfrei sterben

Da man aber letztlich doch nicht das Risiko eingehen wollte, einfach einen vom Volk gemachten Vorschlag zu verwenden, destillierte eine Jury aus den Einsendungen einen kurzen, knackigen Slogan, der das Logo in seiner aussagelosen Beliebigkeit perfekt ergänzt (*Trommelwirbel*):

Echt. Stark. Oberfranken!

Man beachte die geniale Idee, daß „Echt“ und „Stark“ durch einen Punkt und Großschreibung getrennt wurden, was die Verwechslung mit Sachen, die „echt stark“ sind (wie z. B. Selbstbehauptungskurselustige Stempel, landwirtschaftliche Technik oder Granit-Arbeitsplatten) wohl reduzieren soll.

Trotzdem war man nicht der erste, der auf die Idee kam (wie jemand in der Anti-Logo-Facebook-Gruppe herausfand):

Echt. Stark. Meine VVB

(Website der Vereinigten Volksbank Maingau eG)

Wenn Sie also das nächste Mal einen Holzstempel, eine Granitplatte oder eine Überweisung der VVB sehen, denken Sie bitte an Oberfranken … und empfinden Sie Mitleid!

Dachschaden

13.06.2010

Der Verein Oberfranken Offensiv, mit Werbung und Vermarktung der Region Oberfranken beschäftigt, hat nun eine „Dachmarke“ für Oberfranken vorgestellt. In den Kommentaren  zum Online-Artikel der Frankenpost dazu wird das Ding zu Recht als „Knutschfleck“ oder „Kuhfladen“ bezeichnet und die Frankenpost berichtet über die Kritik darum noch in einem weiteren Artikel.

Die Arbeit dahinter (inklusive dem Logo) hat bisher etwa eine halbe Millionen Euro gekostet. Mit dem Ergebnis eines Objekts, das mich an die unteren zwei Fotos von dieser Seite erinnert.

Meiner Ansicht nach sieht weder das Logo besonders sorgfältig und gut aus, noch wurde sonst sorgfältig gearbeitet. Wer die Logos auf den oben verlinkten Seiten (1, 2, 3) vergleicht, wird sehen, daß sie nicht mal die gleiche(n)  Farbe(n) haben. Das mag an der Frankenpost liegen, die ja in den zwei Artikeln jeweils eine andere Version des Logos präsentiert.

Aber auch bei Oberfranken Offensiv findet sich eine sehr erhellende Erklärung zur Dachmarke, bei der man gegen Ende dieses sieht:

Text

Ziel des Projekts „Dachmarke Oberfranken“ ist die positive Darstellung der Region […]

Das heißt im Einzelnen:

Im Rahmen des Dachmarkenprozess sind damit folgende Entwicklungen ermöglicht worden:

Das Ergebnis werden Instrumente für die Kommunikation sein, die alle Kräfte für den Aufbau eines starken konsistenten Images der Region Oberfranken bündeln.

Das heißt im Einzelnen also? Gar nichts?

Ermöglichte Entwicklungen sind also? Gar keine?

So etwas hatte ich vermutet.

Im Netz der Kinderschänder?

10.01.2010

Stefan Tomik, Politikredakteur bei der FAZ, hat einen Artikel über Internetsperren geschrieben. Das hat er schon früher getan und seitdem anscheinend wenig neue Erkenntnisse gewonnen, denn auch im neuen Artikel „Im Netz der Kinderschänder“ hält er die Idee von Netzsperren noch immer für gut:

Kritiker sagen, die Sperren seien technisch leicht zu umgehen und daher unwirksam. Manche hinterfragen, ob es überhaupt einen Zusammenhang gibt zwischen dem virtuellen Bildertausch und realem Missbrauch.

Die Täter, mit denen Peter Vogt zu tun bekam, waren technisch weitgehend unbeschlagen. „Das kleine Handwerkszeug konnten sie“, sagt er. „Aber in elf Jahren haben es nur drei Täter geschafft, ihre Festplatten zu verschlüsseln.“

Festplatten zu verschlüsseln macht Arbeit und bringt ja scheinbar erst einmal nichts (solange keine Polizei vor der Tür steht) und der Anteil fauler und unvorsichtiger Menschen unter den Sammlern von Kinderpornographie dürfte genau so hoch sein wie dieser Anteil an der Gesamtbevölkerung.

Wenn man aber jemandem Hindernisse in den Weg stellt und das zu erreichende Ziel interessant genug ist, wird man sich die technischen Kenntnisse schon aneignen. Als ich Probleme mit einem tropfenden Wasserhahn und dem Schloß der Wohnungstür hatte, hat mir auch jeweils ein Blick in ein Heimwerkerbuch geholfen. Keine komplizierten Dinge, aber das ist das Umgehen der Internetsperren auch nicht.

Zudem zeigt auch die Operation „Marcy“, dass die Konsumenten der Bilder teilweise selbst Kinder missbraucht haben. 14 Kinder konnten aus sexuellem Missbrauch befreit werden, 12 Personen kamen sofort in Untersuchungshaft. Noch während der Ermittlungen springt ein Lehrer an einem Internat in Baden-Württemberg von einer Brücke in den Tod.

Unsachliche Erwiderung: Immerhin mußten sie dann die Festplatte des Lehrers nicht mehr auswerten, wieder Arbeit gespart.

Sachliche Erwiderung: Ob die Konsumenten wegen, trotz oder unabhängig von der Kinderpornographie Kinder mißbrauchten wird dadurch nicht gezeigt.

So leicht es ist, solche Bilder zu finden, so schwer ist es, ihre Strafbarkeit zu beurteilen. Nacktbilder von Kindern sind in Deutschland nicht per se verboten. […] Geschickt bewegen sich die Betreiber der Angebote am Rand der Legalität. Sie schneiden Fotos so an, dass das wahre Alter der Person zu erahnen, aber nicht sicher zu bestimmen ist. Bilder werden eingestreut, die für sich genommen nicht justitiabel sind.

Sollen da die Internetsperren helfen? Einfach mal etwas sperren, weil es auf rechtsstaatlichem Weg nicht geahndet werden kann? Tomik bringt es nicht direkt mit den Internetsperren in Verbindung, aber so ganz wird der Sinn des Absatzes an dieser Stelle sonst nicht klar.

Alvar Freude vom „Arbeitskreis Zensur“ […] schrieb ein Programm, das die Adressen der Sperrlisten aus europäischen Staaten prüft. Es beschafft sich den Quelltext dieser Seiten, aber keine Bilder, denn schon das Speichern der Fotos könnte strafbar sein. Freudes Auswertung ergab, dass die Mehrzahl der Seiten leer oder „geparkt“ war. Allerdings waren die Listen da schon bis zu mehreren Monaten alt.

Als Privatperson war Alvar Freude natürlich auf die geleakten Listen angewiesen, die mitunter schon etwas angestaubt waren.

Von 348 angeschriebenen Providern in 46 Staaten antworteten 250 binnen 12 Stunden. Zehn Provider wollen insgesamt 61 illegale Inhalte entfernt haben. Freude formulierte: „Löschen statt verstecken – es funktioniert!“ Ob und wann die übrigen 98 Provider reagierten, dokumentiert er nicht. Zudem fand eine inhaltliche Vorab-Prüfung der Seiten nicht statt.

Die inhaltliche Vorab-Prüfung hätte ihn möglicherweise vor einen Richter gebracht.

Da Privatpersonen eben nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten zur Überprüfung der Sperrlisten und weiterer Behauptungen zu dem Thema haben, sollten eigentlich von Seiten der Politik und der Strafverfolgung handfeste Zahlen und Fakten kommen.

Dort besteht Zugriff auf die Informationen und damit eigentlich auch die Beweislast für die Sinnhaftigkeit der Internetsperren. Mehr als ein paar Zahlen mit zweifelhafter Belastbarkeit und wolkig nebliges Gerede kam aber noch nicht.

Sueddeutsche.de hat’s am Kopf

25.11.2008

Eigentlich eine sinnvolle Idee, die in einem Artikel auftauchenden Personen, Orte und Stichworte zu verschlagworten, so daß man danach suchen kann.

Anscheinend macht bei sueddeutsche.de das Redaktionssystem das aber ziemlich selbständig, ohne daß der Autor oder sonst jemand da nochmal draufkuckt.

Darum tauchen für den Ort „Am Kopf“ auch fünf Einträge auf:

  1. Zu Spätabtreibungen, bei denen z. B. ein behindertes Kind eine Wasseransammlung am Kopf hat
  2. Zu Leichtathletik, bei der die schlechte Leistung einer Hammerwerferin am Kopf gelegen hat
  3. Zum Tauchen im Langwieder See, bei dem es am Kopf am kältesten ist
  4. Zu einer Operation an siamesischen Zwillingen, wobei am Kopf zusammengewachsene äußerst selten sind
  5. Eine Bilderstrecke über Leute, die am Kopf eine Mütze tragen