Archive for the ‘Kindesmißbrauch und Ähnliches’ Category

Unfaßbar

19.04.2012

Julia von Weiler, Geschäftsführerin von „Innocence in Danger“, einem Verein, der sich offiziell gegen Kindesmißbrauch engagiert (speziell im Zusammenhang mit dem Internet), hat ein Buch geschrieben. Dazu steuerte TAZ-Autor Christian Füller einen Artikel bei, den man durchaus als Werbung für das Buch bezeichnen kann.

Nachdem der Grünen-Politiker Jörg Rupp sich in einem Tweet über den Artikel ärgerte und darin „Und dann wieder die alte Kinderpornoleier“ schrieb, antwortete Füller mit einem zweiten Stück in der TAZ.

Der Ausdruck „Kinderpornoleier“ mag zwar unglücklich gewählt sein, aber daß Füller deswegen einen Aufschrei der Empörung behauptet, ist übertrieben. Rupp erklärt in seinem Blog die Geschichte nochmals aus seiner Sicht.

Besonders bemerkenswert in Füllers zweitem Artikel finde ich ja diese Stelle, in der Ursula Enders, Leiterin der Kölner Kontaktstelle gegen sexuelle Gewalt, bemerkt:

„Kinder, die Kinderpornografie ansehen, sind oftmals genauso belastet wie die unmittelbaren Opfer sexueller Gewalt.“

Das Betrachten der Bilder habe oft eine Traumatisierung zur Folge. Realer Missbrauch habe meistens irgendwann ein Ende, sagte Enders, „die kinderpornografischen Bilder aber lassen die Kinder nicht mehr los“.

Ich weiß nicht, ob Enders das wirklich so gemeint hat oder ob Füller beim Paraphrasieren einen Fehler gemacht hat.

Einer der beiden hatte hier aber offensichtlich einen geistigen Totalausfall: Kinder und Jugendliche, die zufällig über Mißbrauchsdokumentation im Internet stolpern (was übrigens nicht sehr wahrscheinlich ist) leiden darunter also lebenslänglich, während das mißbrauchte Kind, sobald der Mißbrauch vorbei ist, fröhlich pfeifend seiner Wege geht?

Einfach unfaßbar.

Fatales Grundrecht

23.09.2010

Zu so etwas:

Auch das strafrechtliche Prinzip „Im Zweifel für den Angeklagten“ entfaltet auf diesem Deliktsfeld [Kindesmißbrauch] nach wie vor eine fatale Wirkung.
Quelle: FAZ.net

fällt mir nur noch reine Polemik ein:

Haben Sie noch alle Latten am Zaun, Herr Deckers?

Jesuiten verlassen Hof

29.07.2010

Zum Ende des Monats verlassen die noch in Hof vorhandenen drei Jesuiten, die in mehreren Pfarreien gearbeitet hatten, die Stadt.

Grund 1:  Nachwuchsmangel (wie überraschend)

Grund 2:  Die Jesuiten wollen in Zukunft ganz allgemein weniger Pfarrarbeit leisten und sich mehr „in den Bildungshäusern des Ordens engagieren“. Damit sind vermutlich Schulen gemeint, die der Orden betreibt, wie z. B. das Canisius-Kolleg in Berlin.

Quelle: Radio Euroherz

Noch mehr „Engagement“ halten die Schüler dort möglicherweise nicht aus.

Ist das Internet schuld?

03.05.2010

Ein Familienvater hat drei Jungen zwischen sechs und acht zu sich nach Hause gelockt, sie dazu gebracht, sich auszuziehen und für ihn zu posieren. Davon machte er Fotos und veröffentlichte sie in einschlägigen Bereichen im Internet. Nachdem eines der Kinder von den Aufnahmen erzählte, kam die Sache heraus. Dafür wurde er jetzt zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Quelle: Frankenpost.de

Irritierend ist für mich das Schlußwort des Richters in der Verhandlung:

Meiden Sie in Zukunft das Internet wie der Teufel das Weihwasser

Möglicherweise fehlen in dem Artikel einige Fakten, die das erklären könnten, aber: Wieso soll er das Internet meiden?

Um die Gefahr zu reduzieren, erwischt zu werden? Oder damit er nächstes Mal nur wegen Herstellung und Besitz von Kinderpornographie, aber nicht wegen Verbreitung angeklagt wird?

Was soll das?

Kindesmißbrauch und Ähnliches in unserer Region

03.05.2010

Der evangelische Pfarrer von Sparneck wurde suspendiert, nachdem durch einen anonymen Brief herauskam, daß er vor über 23 Jahren eine damals 12-jährige Konfirmandin mißbraucht hatte. Der Pfarrer hat den Mißbrauch auch selbst bereits eingeräumt. Soweit fast schon alltäglich, wenn man die letzten Monate betrachtet.

Interessant ist vor allem die Reaktion vieler Gemeindemitglieder in Sparneck, wo 580 Menschen bei einer Andacht ihre Solidarität mit dem Pfarrer bekundeten, der Kirchen- sowie der Posaunenchor ohne den Pfarrer streiken will, ein paar aktuelle Präparandinnen (die im nächsten Jahr dann zu Konfirmandinnen werden) den Verfasser des anonymen Briefes öffentlich verurteilen und zwei Mitglieder des Kirchenvorstandes den Brief als „niederträchtige Verunglimpfung“ bezeichnen.

Wie einfach wäre es doch, wenn alles immer schön ruhig und gemütlich bliebe und nicht irgendwelche bösen Menschen das traute Heim und die Gemeinde brutal mit Realität bewerfen würden.

Aber so ist es und es muß auch so sein. Hier liegt eine schwere Straftat vor, die nicht unter den Teppich gekehrt werden darf, auch wenn sie lange her ist.

Zur Ehrenrettung von Sparneck sollten noch zwei Dinge gesagt werden: Erstens sind auch viele Sparnecker für die korrekte Aufarbeitung des Geschehens, weswegen es jetzt Streitigkeiten in der Gemeinde gibt und zweitens wäre es in einer anderen kleinen Gemeinde irgendwo in Deutschland auch nicht anders gekommen.

Obwohl ohne direkten Zusammenhang noch folgende Meldung:

Ein 18-Jähriger hat die Mutter seiner Freundin angegriffen, weil sie nicht mit der Beziehung ihrer Tochter mit dem Mann einverstanden war. Verständlich, denn die Tochter ist 12. Passender Leser-Kommentar unter dem Zeitungsartikel:

Wäre der 18-jährige Pfarrer in der Gemeinde, hätte er mit Sicherheit schon Personen, welche eone Demo für veranstalten würden!