Schüler dürfen Sonnenfinsternis nicht sehen: Das kann sinnvoll sein

Morgen ca. zwischen 9:40 Uhr bis 11:40 Uhr findet bekanntermaßen über Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis statt. An einigen Schulen kommt es darum zu Sicherheitsmaßnahmen, nach denen Schüler nur außerhalb dieser Zeit das Schulgebäude verlassen dürfen und die Gardinen zugezogen werden.

In beispielsweise diesem Tweet wird das als „[g]rößter anzunehmender Unfug“ bezeichnet. Ist es aber nicht unbedingt.

Klar wäre es besser gewesen, die Schulen hätten frühzeitig die speziellen Sonnenfinsternisbrillen für die Klassen angeschafft, aber das hätte einiges Geld gekostet, das die meisten Schulen ohnehin nicht haben.

An einigen Schulen sollen die Kinder die Brillen selbst mitbringen und dürfen dann zusehen. Dies benachteiligt aber Kinder, deren Eltern zu arm oder nachlässig sind, um eine Brille zu beschaffen.

Daher sind diese Sicherheitsmaßnahmen kein Unfug, sondern sehr sinnvoll, auch wenn das einige in ihren Tweets anders sehen:

Man könnte Kids generell erzählen, nicht in die Sonne zu schauen.
Kai Heddergott

Erzählen könnte man es ihnen, aber Kinder sind nun mal Kinder und selbst Volljährige sind nicht immer ausreichend schlau, sich vernünftig zu verhalten (Beispiel).

wie hindert man die Kindern denn an normalen sonnigen Tagen daran…?
Schussel

Das ist nicht nötig. Unter normalen Bedingungen verengt sich die Pupille des Auges sehr stark, außerdem kneift man reflexartig die Augen zusammen, so daß keine Gefahr besteht. Bei einer Sonnenfinsternis (auch einer partiellen) greifen diese Schutzmechanismen aber nicht.

AFAIK [=soweit ich weiß] filtert Fensterglas Licht der UV-Wellenlängen heutzutage doch sowieso raus…?!
Foyer & Flämmchen™

Das gilt nur für UV-B und UV-C, aber nicht für UV-A-Strahlung, sagt Wikipedia.

Advertisements

Schlagwörter: ,

2 Antworten to “Schüler dürfen Sonnenfinsternis nicht sehen: Das kann sinnvoll sein”

  1. Kai Heddergott (@heddergott) Says:

    Sicherheitsmaßnahmen sind in der Tat kein Unfug – auch der Lichtsaum einer zu 80 % verfinsterten Sonne kann die AUgen schädigen. Das habe ich 1978 als neunjähriger in einem Yps-Astronomie-Gimmick gelesen, dass die (totale) Sonnenfinsternis 1999 erwähnte. 21 Jahre habe ich mich gefreut, das Ereignis erleben zu können, was auch zum Glück in der Nähe von München geklappt hat. Aber schon als neunjähriger hatte ich verstanden, dass ich da nicht ohne Schutz hinschauen sollte. Nicht bei 100% Leuchtkraft der Sonne. Nicht bei 20%. Und selbst bei der Korona-umkränzten vollbedeckten Sonne war Schutz angesagt. Das habe ich beherzigt. Weil ich es logisch fand. Ich brauchte keinen Lehrer dafür. Aber hier liegt für mich der Unfug: Anstatt das Thema aufzunehmen im Unterricht – das geht in Sekundarstufe I wie auch in II – und aufzuzeigen, mit welchem auch für finanzschwache Familien zugänglichem Hilfsmittel das Verfolgen der SoFi möglich ist, macht man die Gardinen in Schulen zu, obwohl draußen nur noch 20% Sonnenlicht wirken. Das ist doch kein radioaktiver Fallout, vor dem es Kinder zu schützen gilt – das ist “gedimmtes” Sonnenlicht.

    Lehrer, die sich bei einem Röntgenarzt alte Röntgenbilder besorgen, hätten ihre Schüler einen wirksamen Sichtschutz basteln lassen können – schwarze Flächen von drei übereinander gelegten Röntgenbildern schirmen das Sonnenlicht wirksam ab, zumal in der Abdeckungsphase. Man hätte auch die Eltern informieren können, man hätte in der Schulpflegschaft nach Eltern fragen können, die Optiker sind. Und so weiter. Und so fort. Aber die Maßnahmen und Empfehlungen – und vor allem der Wortlaut – sind eben der Unfug, der in Bildungseinrichtungen ohne weiteres Überlegen veranstaltet wird. Das war der Ausgangspunkt meines Tweets.

    Übrigens: Der normale Schutzmechanismus des Auges greift auch bei einer verfinsterten Sonne. Als am 11. August 1999 der Mond die Sonne wieder freigab, ergab sich der Diamantringeffekt: Ein heller Punkt am Mondsaum war der erste Lichtstrahl, der dann das Auge, das sich an die Verfinsterung gewöhnt hatte, traf. Das war ohne Schutz unangenehm. Das wird bei einer partiellen Sonnenfinsternis so nicht passieren – aber ein ganz normale Portion gesunder Menschenverstand reicht aus, um hier richtig vorzugehen. Und das Kindern zu erklären. Wenn wir Kinder angesichts eines Naturereignisses wegsperren – Gardinen! – wird nur Angst gelehrt und kein selbstbewusster, reflektierter Umgang mit den Geschehnissen der Natur. Auch das halte ich für Unfug. Schutz muss sein – aber er sollte in einen Kontext gestellt und erläutert werden – dann hat das nämlich einen Effekt über den Tag (der SoFi) hinaus.

    • mbutscher Says:

      Wenn Du Dich seit dem Yps-Heft darauf gefreut hast, dann hat Dich das Thema folglich schon als Neunjährigen interessiert und Du hast es somit gut verstanden.

      Man kann auch davon ausgehen, daß die meisten Kinder schlau und vorsichtig genug sind, um sich richtig zu verhalten.

      Aber es genügt leider, wenn ein oder zwei Kinder der ganzen Schule unvernünftig sind, weil sie die Gefahr unterschätzen. Die Schule muß sich darum kümmern, alle Kinder bestmöglich zu schützen, auch die unvorsichtigen.

      Ich hatte ja das Beispiel eines 18-jährigen verlinkt, der durch die Sonnenfinsternis 1999 praktisch erblindet ist: http://www.welt.de/print-welt/article580400/SoFi-ohne-Brille-18-Jaehriger-erblindet.html

      Gesunder Menschenverstand ist halt nicht allen gegeben.

      Es ist natürlich schade, daß das in diesem Fall die Konsequenz hat, daß alle Kinder von dem Schauspiel ausgeschlossen werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: