Frankenpost: Regional vermuten, lokal einfach mal annehmen

Zunächst zum Hergang der Geschichte:

Im kleinen Örtchen Ziegenburg brennt Samstag Nacht ein Wohnhaus aus.

Sonntag morgen wird in der Nähe am Waldrand durch einen Hubschrauber ein ausgebranntes Auto entdeckt, darin eine verkohlte Leiche.

Nachdem das einsturzgefährdete Haus gesichert ist, wird auch dort eine verbrannte Leiche gefunden.

Bis Dienstagabend war außerdem Folgendes sicher:

Bei der Leiche im Haus handelt es sich um dessen ehemalige Besitzerin, Gräfin von Luxburg, die anscheinend ein Wohnrecht für das Haus besaß. Der neue Besitzer ist ein Andreas S., 35 Jahre, der mit seiner Verlobten dort wohnte, die aber vor kurzem auszog, weil es anscheinend Streit gab. Die Gräfin verstarb durch einen Kopfschuss, im ausgebrannten Fahrzeug, einem Mercedes Kombi, der von Andreas S. benutzt wurde, fand sich neben der männlichen Leiche außerdem eine Schusswaffe.

Die Autorin Melitta Burger hat mehrere Artikel dazu geschrieben, zwei davon am Dienstagabend (zuletzt bearbeitet am 18.06.2012 um 21:47 Uhr bzw. 21:42 Uhr, laut der Frankenpost-Website).

Im Artikel für die Region Oberfranken formuliert sie vorsichtig:

Hannelore von Luxburg war nach einem Kopfschuss bereits tot, als ihr Mörder zunächst die beiden Hunde in Sicherheit brachte und danach das Haus vermutlich mithilfe eines Brandbeschleunigers in Flammen aufgehen ließ. Täter ist wahrscheinlich der 35-jährige Andreas S., der ebenfalls in dem Haus gewohnt hatte. Obwohl die Identifizierung der völlig verkohlten Leiche in dem ausgebrannten Auto bislang noch nicht abgeschlossen ist, geht die Polizei davon aus, dass es sich um Andreas S. handelt. Mord und Selbstmord ist nach den bisherigen Ermittlungen die wahrscheinlichste Annahme für die Geschehnisse in der Nacht zum Sonntag.

Auch hier könnte man natürlich diskutieren, woher sicher ist, daß es überhaupt ein Mord war und daß der Mörder auch Brandstifter ist (und daß er/sie die Hunde in Sicherheit brachte).

Während die Identität der Gräfin von Luxburg am Montagmittag bereits endgültig feststand […], ist dies den Ermittlern bei dem zweiten Leichnam noch nicht endgültig gelungen. Bislang sei sicher, es handle sich bei dem Verbrannten um einen Mann, sagte Thomas Janovsky.

Im Lokalbereich für Kulmbach (zuletzt geändert 5 Minuten vor dem anderen Artikel) haut Melitta Burger dagegen auf die Kacke:

Was hat Andreas S. in einen solchen Ausnahmezustand versetzt, dass er Hannelore Gräfin von Luxburg durch einen Kopfschuss tötete, das Haus in Brand steckte, in dem beide lebten und sich dann im Wald in seinem Auto verbrannte?
[…]
War Andreas S. so verzweifelt, weil er verlassen wurde? Hat es „einfach so“ Streit gegeben zwischen ihm und seiner Mitbewohnerin, der Gräfin? Was wirklich geschehen ist in diesen letzten Minuten wird wohl für immer im Dunklen bleiben.
[…]
Warum auch immer, es war wohl Andreas S., der die Waffe auf die 78-jährige Frau richtete und ihr in den Kopf schoss. Dann muss der Täter in einem lichten Moment die Hunde aus dem Haus gebracht, das Feuer gelegt und schließlich sich selbst ums Leben gebracht haben.
(Hervorhebung von mir)

Mit dem „wohl“ und an einigen anderen Stellen hat die Autorin dann doch sicherheitshalber ein paar Relativierungen eingebaut.

Es gibt bislang keinen Anhaltspunkt, daß es nicht so war, wie es die Autorin beschreibt, aber trotzdem klingt der Artikel für den Lokalteil ein bißchen sehr nach Boulevard („Prinzessin Hermeline schwanger! Oder vielleicht auch nicht …“).

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