Archive for Januar 2012

Ansgar Heveling

30.01.2012

Ansgar Heveling, 39 Jahre alt, CDU-Politiker und Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft hat einen Gastkommentar „Netzgemeinde, ihr werdet den Kampf verlieren!“ im Handelsblatt veröffentlicht, der bereits für einigen Wirbel gesorgt hat.

Nur ein paar Stellen daraus

Und genau dort, in den Gassen von Paris im Jahr 1789, wurde die Idee des geistigen Eigentums geboren. Welche Errungenschaft wider die geistige Leibeigenschaft des Ancien Régime!

Dazu der Wikipedia-Artikel „Guillotine„:

Guillotin beantragte am 10. Oktober 1789 die Einführung eines mechanischen Enthauptungsgeräts, um grausame und entehrende Hinrichtungsarten abzuschaffen.

Auch so eine tolle Idee?

Abgesehen davon trat das erste Urheberrechtsgesetz, die britische Statute of Anne, schon 1710 in Kraft (Quelle: Wikipedia).

Weiter bei Heveling:

Diese Idee des geistigen Eigentums sollte sich als Motor für Innovation und Entwicklung auf dem europäischen Kontinent erweisen.

Oder vielleicht auch nicht:

[Wirtschaftshistoriker] Höffner hat die frühe Blütezeit des Gedruckten hierzulande beleuchtet und kommt zu einem überraschenden Befund: Anders als in den Nachbarländern England und Frankreich habe sich in Deutschland im 19. Jahrhundert eine beispiellose Explosion des Wissens vollzogen. […] Ausgerechnet das Copyright, das die Briten bereits 1710 eingeführt hatten, ließ nach seiner Ansicht die Welt des Wissens im Vereinten Königreich veröden.

Quelle: spiegel.de

Einen ham‘ wa noch:

Aber wir sollten uns zu wehren beginnen, wenn einzelne Menschen hinter den vielen Maschinen uns unsere Lebensentwürfe vorschreiben.

Der Bundesverband Musikindustrie e.V. führt eine jährliche Studie zur Musiknutzung durch. Sie hieß früher „Brennerstudie“, jetzt „Studie zur Digitalen Content-Nutzung“ (DCN-Studie).

Aus der Pressemitteilung zur Studie 2011:

3,7 Mio. User laden in großen Mengen illegal Medieninhalte herunter

Da die Musikindustrie nicht dafür bekannt ist, bei dieser Zahl zu untertreiben, folgt, daß etwa 4,5% der Bevölkerung also schon mal einen ähnlichen „Lebensentwurf“ zu haben scheinen, bißchen viele Einzelne.

Hinzu kommen noch die, die bloß aus Angst keine illegalen Downloads durchführen und nicht etwa aus Überzeugung und natürlich die, die schlichtweg nicht bereit sind, der Rechteindustrie Teile der Meinungs- und Informationsfreiheit zu überlassen.

Nur ein Vorschlag: Herr Heveling, behalten Sie Ihr geistiges Eigentum in Zukunft doch für sich.

Mein Vorschlag für einen neuen Bundespräsidenten: Johannes Rau

04.01.2012

Über die vergangenen Wochen hinweg haben sich immer mehr Gründe angesammelt, warum Christian Wulff als Bundespräsident eigentlich besser zurücktreten sollte. Es gibt aber einen entscheidenden Grund, warum er im Amt bleiben sollte: die Kosten.

Gemäß diesem Artikel bekommt Wulff seit seiner Ernennung zum Bundespräsidenten jährlich 199.000 Euro und zwar ganz egal, ob er noch amtiert oder seinen Posten bereits verlassen hat. Auch „Büro, Dienstwagen mit Fahrer und wenigstens ein Mitarbeiter“ stehen ihm nach seiner Amtszeit lebenslang zu. Bekommen wir jetzt also einen neuen Präsidenten, müssen wir für Wulff zusätzlich bezahlen.

Eine Notlösung wäre natürlich, Horst Köhler zu reaktivieren. Da er als Ex-Bundespräsident momentan bereits dieses Ruhestandsgehalt bezieht, würde sich in der Summe nichts an den Kosten ändern. Und nachdem man bei Wulff ja beklagt, daß er die Wahrheit immer nur stückchenweise öffentlich macht, wären wir mit Köhler gut bedient. Der mußte schließlich zurücktreten, weil er etwas zu viel Wahres gesagt hat, nämlich, daß der Afghanistaneinsatz auch wirtschaftlichen Interessen Deutschlands dient.

Mein persönlicher Vorschlag wäre jedoch ein anderer ehemaliger Bundespräsident: Johannes Rau. Dem politikinteressierten Leser wird vielleicht auffallen, daß Rau bereits tot ist, aber das ist ja das Geniale daran! Die meiste Zeit des Jahres wird so ein Bundespräsident ohnehin nicht bemerkt. Am auffälligsten ist natürlich Horst Köhler nicht aufgefallen, aber auch bei Wulff spürte man in seiner bisherigen Amtszeit keine überragende Präsenz (zumindest bis zum Anfang der Kreditgeschichte).

Wird die Anwesenheit des Präsidenten gelegentlich dann doch mal benötigt (Auslandsbesuche, Weihnachtsansprache), hilft sicher gerne einer der zahlreichen Stimmenimitatoren aus, die Johannes Rau im Programm haben. Wenn sich noch ein guter Maskenbildner um die Optik kümmert, merkt den Unterschied kein Mensch. Bei Saddam Hussein hat das schließlich auch viele Jahre geklappt.

Da die Hilfskräfte nur fallweise auf Honorarbasis bezahlt werden müssen, ist ein solcher „virtueller“ Präsident unfaßbar günstig, ohne daß man Abstriche in der Medienpräsenz machen müßte.

Einen echten Präsidenten können wir uns bei dieser Wirtschaftslage und nach den ganzen Rettungsschirmen eigentlich gar nicht mehr leisten, und schon gar nicht noch einen.