Jugendpornographie-Paragraph im Einsatz

Am 05.11.2008 traten Änderungen des Sexualstrafrechts in Kraft, auch der Paragraph 184c StGB (Jugendpornographie) wurde damit Gesetz. Über eine frühere Version dieses Paragraphen (damals noch als Änderung von 184b geplant) hatte ich mich schon 2007 ausgelassen. Auch wenn der tatsächliche Gesetzestext am Ende abgeschwächt wurde, läßt sich offensichtlich noch viel Unsinn damit anstellen.

Gemäß einer Polizeimeldung hatte ein 14-jähriges Mädchen (damit nicht mehr Kind im Sinne des deutschen Gesetzes) von sich selbst Nacktaufnahmen hergestellt und diese an andere Jugendliche weitergegeben. Einige 14 bis 16-Jährige haben dann diese Bilder per PC und Handy wiederum weitergereicht.

Als die Polizei davon erfuhr, gab es jetzt Anzeigen wegen der Verbreitung von Jugendpornographie gegen die Jugendlichen und obendrauf ein paar Hausdurchsuchungen mit Beschlagnahme von PCs und Handys zur Auswertung. Ob auch gegen das Mädchen selbst ermittelt wird, geht aus der Meldung nicht klar hervor, es wird nur von den „betroffenen Jugendlichen“ gesprochen.

An alle Jugendlichen, die den Rechner der Eltern mitbenutzen müssen: Das ist ein tolles Argument dafür, einen eigenen PC zu bekommen. Sonst ist bei der Hausdurchsuchung nämlich Papis Arbeitsrechner weg (inklusive seiner Pornos) und für die Hausaufgaben im Internet recherchieren wird auch schwieriger.

Ein Schlupfloch hat das Gesetz übrigens.  § 184c StGB, Absatz 4:

Wer es unternimmt, sich den Besitz von jugendpornographischen Schriften zu verschaffen, die ein tatsächliches Geschehen wiedergeben, oder wer solche Schriften besitzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. Satz 1 ist nicht anzuwenden auf Handlungen von Personen in Bezug auf solche jugendpornographischen Schriften, die sie im Alter von unter achtzehn Jahren mit Einwilligung der dargestellten Personen hergestellt haben.

Kann also z.B. heißen, daß das „Model“ Zeit und Ort festlegt, und die interessierten Jugendlichen sich dort persönlich mit Kameras und Fotohandys einfinden zu einer Massenpornoproduktion, bei der jeder seine eigenen Aufnahmen macht und keine weitergeben muß.

Das ist fortschrittlicher Jugendschutz!

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Eine Antwort to “Jugendpornographie-Paragraph im Einsatz”

  1. Besucher Says:

    Diese Aktion der Staatsanwaltschaft und der Polizei zeigt doch, dass das sehr problematische und bedenkliche Gesetz zur Jugendpornographie dringend geändert werden muss. Es ist wirklich traurig, was hier aufgrund dieser gesetzlichen Neuregelung aus dem Jahr 2008 teilweise in der Praxis geschieht.

    Da werden PCs und Handys beschlagnahmt wegen ein paar privater erotischer Bilder von Jugendlichen. Hier werden Jugendliche, die erotische Fotos in etwa Gleichaltriger weiterverbreiten, behandelt wie Schwerverbrecher. Okay, die Weiterverbreitung des Fotos in größerem Kreis war – ganz unabhängig von der Gesetzeslage – sicher wirklich nicht okay. Aber hätte da nicht ein Gespräch der Polizei mit den Eltern der Jugendlichen gelangt? Also wenn ich der Richter gewesen wäre, hätte ich die Hausdurchsuchung und die Beschlagnahme nicht genehmigt.

    Haben denn die Staatsanwaltschaft und die Polizei denn wirklich nichts Besseres zu tun? Jeder richtige Verbrecher wird sich freuen, wenn er hört, dass sich die sowieso schon knapp besetzte Polizei um solche Bagatellen kümmert, statt um echte Straftaten mit tatsächlichen Opfern. (Nicht falsch verstehen, das Mädchen ist hier in diesem Fall natürlich schon ein Opfer der unbefugten Weiterverbreitung der Fotos – aber eher im Sinne von „Mobbing“.)

    Sehr bedenklich finde ich es auch, dass sich die Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmen gegen Jugendliche selbst richteten. Wären das beispielsweise Männer um die 60 gewesen, welche die Bilder weiterverbreitet hätten, sähe der Fall sicher etwas anders aus …

    Außerdem sind normale Nacktfotos ja nicht mal Pornographie bzw. bei Jugendlichen dann Jugendpornographie. Wahrscheinlich am Ende viel unnötige Aufruhr durch die Polizei bei allen Beteiligten und entweder nichts oder nicht viel dahinter. Wird man dann sicher auch an dem Gerichtsbeschluss oder Urteil sehen.

    Die wohl leider immer mehr zunehmende Kriminalisierung von Nacktheit, Erotik, Sexualität und Pornographie – insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, aber auch generell – halte ich für sehr bedenklich!

    Jeder der diesen Kommentar liest, kann sich ja mal überlegen, wie die Gesetzeslage bezüglich Sexualität und Pornographie in den meisten Diktaturen dieser Welt aussieht … Und da wollen wir doch sicher wirklich alle nicht hin. Diese Aussage klingt sicher recht provokativ, ein Fünkchen Wahrheit ist aber wohl dran.

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