Archive for Mai 2010

Brauchen wir Abgeordnete noch?

30.05.2010

Auch hier geht es um das Tauss-Urteil. Wer nichts mehr davon wissen will, bitte jetzt mit dem Lesen aufhören.

Jörg Tauss wurde am Freitag wegen Besitzes von Kinderpornographie verurteilt (Linksammlung zum Urteil). Er war zuvor davon ausgegangen, zu diesem Besitz berechtigt zu sein, denn im zuständigen §184b, Abs. 5 StGB heißt es:

Die Absätze 2 und 4 gelten nicht für Handlungen, die ausschließlich der Erfüllung rechtmäßiger dienstlicher oder beruflicher Pflichten dienen.

Unabhängig davon, was man jetzt vom konkreten Fall und von Jörg Tauss denken mag:

Das Gericht hat ernsthaft entschieden, daß ein Abgeordneter in diesem Bereich nicht selbst recherchieren darf,

weil ein Bundestagsabgeordneter nicht zu dem durch die Vorschrift privilegierten Personenkreis zu zählen ist und es ihm schon gar nicht obliegt, – so die anfängliche Einlassung des Angeklagten – einen Kinderpornoring zu „sprengen“.

Naja, Sprengen eines Kinderpornorings sollte man wirklich der Polizei überlassen.

Aber wozu haben wir Abgeordnete?

Wenn man Nebensächlichkeiten wie Reden im Bierzelt und die Eröffnung von Leberwurstfabriken beiseite läßt, dann geht es doch darum, daß die Mitglieder von Bundestag und Landtagen im Interesse des Volkes über Annahme oder Ablehnung von Gesetzen entscheiden. Wünschenswert wäre außerdem, daß die Entscheidung auf fundierter Sachkenntnis beruht.

Diese Idee wird natürlich schon dadurch untergraben, daß ein Abgeordneter sich nicht mit allem auskennen kann und daß viele natürlich eher auf Geld und Karriere schielen als auf die Bürger, die sie vertreten.

Aber selbst wenn er (oder sie) tatsächlich ernsthaft wissen will, worum es bei dem geht, worüber er abstimmt, wird er zumindest bei dem heiklen Thema Kindesmißbrauch und der Verbreitung von Abbildungen durch dieses Gerichtsurteil nun daran gehindert.

Stattdessen soll man sich auf die Antworten der Exekutive verlassen, deren Zuverlässigkeit Jörg Tauss in seinem Blog exemplarisch dokumentiert hat.

Anscheinend wurde niemand für die Falschangaben der Regierung zur Rechenschaft gezogen, ebensowenig wie Ursula von der Leyen, nachdem sie Journalisten Anfang 2009 noch als Familienministerin Kinderpornographie vorführte. Denn solches Material zu besitzen und auch noch zu verbreiten, um damit Leute zu erschrecken und Meinungen zu manipulieren, ist selbstverständlich dienstlich begründet.

Selbstverständlich sollte nicht jedem erlaubt sein, Kinderpornographie zu angeblich dienstlichen Zwecken zu besitzen, der ganze Straftatbestand wäre dann ad absurdum geführt, aber wer, wenn nicht Abgeordnete, offizielle Kontrolleure der Regierung, sollte das dürfen?

Resterampe: Zechpreller, Toilettenstreit, Einkaufswagen

28.05.2010

Kleinigkeiten, die zu schade zum Wegschmeißen sind:

  1. Ein Zechpreller verletzte sich bei einem Sturz lebensgefährlich. Der Mann flüchtete durch das Fenster einer Wirtschaft auf den Hinterhof, kletterte über eine Dachrinne, stürzte 8 Meter tief, durchbrach dabei eine Plexiglasscheibe und landete auf Kopfsteinpflaster. Die Rechnung, vor der er flüchtete belief sich auf 18 Euro. (Quelle: Polizei Oberfranken)
  2. Ein 17jähriger riß an einem Sonntag die Sicherungskette eines Einkaufswagens ab, fuhr damit davon, wurde von einer Polizeistreife gesehen, flüchtete, immer noch mit dem Wagen, und beschädigte dabei noch ein parkendes Auto. (Quelle: Frankenpost.de)
  3. Übliches Szenario: Fußgängerin mit Handtasche wird von Fahrradfahrer im Vorbeifahren beraubt. Stattdessen hier: Fahrradfahrerin wird von hinterherlaufendem Fußgänger die Tasche aus dem Fahrradkorb geklaut. Die Radfahrerin verfolgte ihn zwar noch kurz, verlor ihn aber bald. (Quelle: Polizei Oberfranken)
  4. Ein Mann wollte die Toilette einer Gastwirtschaft benutzen. Da er aber kein Gast war, verlangte der Wirt 50 Cent Benutzungsgebühr. Der Nichtgast wurde daraufhin so wütend, daß er den Gastwirt erst beleidigte und dann mit der Faust ins Gesicht schlug. Der antwortete darauf mit Pfefferspray und erwischte versehentlich auch einige unbeteiligte Gäste, die dann ins Krankenhaus mußten. (Quelle: Polizei Oberfranken)

Zu kurzes Deutsch

17.05.2010

Vor einiger Zeit habe ich bei der Aktionsware eines Supermarkts ein Mickey Mouse Kissen gesehen:

Na gut, wenn die Kinderchen einen „Tatort“ nachspielen und eines dem anderen das Kissen aufs Gesicht drückt, ist ja möglicherweise Erstickungsgefahr gegeben, aber ist das nicht etwas übertrieben?

Die Auflösung bietet der englische Text (vermutlich das Original zur deutschen Übersetzung) darunter:

Achso!

Jugendfußball

05.05.2010

Ein Fußballspiel der F-Jugend (Alter der Spieler etwa 7 oder 8 Jahre), ATS Kulmbach gegen VfB Kulmbach. Ein VfB-Spieler fault einen Spieler des ATS. Der Vater des ATS-Spielers, gleichzeitig Trainer des ATS, soll dann den VfB-Spieler tätlich angegriffen haben. Daraufhin soll wiederum der Vater des VfB-Spielers den Vater des ATS-Spielers angegangen haben. Der Schiedsrichter brach das Spiel ab.

Quelle: Frankenpost.de

Sind Menschen nun von Natur aus eine gewaltätige Spezies oder lernen das die Kinder von den Erwachsenen?

Conan ist zurück

04.05.2010

Nein, Arnold Schwarzenegger ist hier nicht gemeint, sondern ein Polizeihund, der vor knapp zwei Wochen seiner Hundeführerin davonlief und eine Woche später wiedergefunden wurde.

Quelle: Frankenpost.de

Vielleicht hat Conan kurz vor dem Weglaufen seinem Frauchen noch zugebellt „ich kündige“, aber die hat es einfach nicht verstanden?

Ist das Internet schuld?

03.05.2010

Ein Familienvater hat drei Jungen zwischen sechs und acht zu sich nach Hause gelockt, sie dazu gebracht, sich auszuziehen und für ihn zu posieren. Davon machte er Fotos und veröffentlichte sie in einschlägigen Bereichen im Internet. Nachdem eines der Kinder von den Aufnahmen erzählte, kam die Sache heraus. Dafür wurde er jetzt zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Quelle: Frankenpost.de

Irritierend ist für mich das Schlußwort des Richters in der Verhandlung:

Meiden Sie in Zukunft das Internet wie der Teufel das Weihwasser

Möglicherweise fehlen in dem Artikel einige Fakten, die das erklären könnten, aber: Wieso soll er das Internet meiden?

Um die Gefahr zu reduzieren, erwischt zu werden? Oder damit er nächstes Mal nur wegen Herstellung und Besitz von Kinderpornographie, aber nicht wegen Verbreitung angeklagt wird?

Was soll das?

Kindesmißbrauch und Ähnliches in unserer Region

03.05.2010

Der evangelische Pfarrer von Sparneck wurde suspendiert, nachdem durch einen anonymen Brief herauskam, daß er vor über 23 Jahren eine damals 12-jährige Konfirmandin mißbraucht hatte. Der Pfarrer hat den Mißbrauch auch selbst bereits eingeräumt. Soweit fast schon alltäglich, wenn man die letzten Monate betrachtet.

Interessant ist vor allem die Reaktion vieler Gemeindemitglieder in Sparneck, wo 580 Menschen bei einer Andacht ihre Solidarität mit dem Pfarrer bekundeten, der Kirchen- sowie der Posaunenchor ohne den Pfarrer streiken will, ein paar aktuelle Präparandinnen (die im nächsten Jahr dann zu Konfirmandinnen werden) den Verfasser des anonymen Briefes öffentlich verurteilen und zwei Mitglieder des Kirchenvorstandes den Brief als „niederträchtige Verunglimpfung“ bezeichnen.

Wie einfach wäre es doch, wenn alles immer schön ruhig und gemütlich bliebe und nicht irgendwelche bösen Menschen das traute Heim und die Gemeinde brutal mit Realität bewerfen würden.

Aber so ist es und es muß auch so sein. Hier liegt eine schwere Straftat vor, die nicht unter den Teppich gekehrt werden darf, auch wenn sie lange her ist.

Zur Ehrenrettung von Sparneck sollten noch zwei Dinge gesagt werden: Erstens sind auch viele Sparnecker für die korrekte Aufarbeitung des Geschehens, weswegen es jetzt Streitigkeiten in der Gemeinde gibt und zweitens wäre es in einer anderen kleinen Gemeinde irgendwo in Deutschland auch nicht anders gekommen.

Obwohl ohne direkten Zusammenhang noch folgende Meldung:

Ein 18-Jähriger hat die Mutter seiner Freundin angegriffen, weil sie nicht mit der Beziehung ihrer Tochter mit dem Mann einverstanden war. Verständlich, denn die Tochter ist 12. Passender Leser-Kommentar unter dem Zeitungsartikel:

Wäre der 18-jährige Pfarrer in der Gemeinde, hätte er mit Sicherheit schon Personen, welche eone Demo für veranstalten würden!