Wissen ist Sicherheit

Mehrere Jahre lag ein Artikel des Journalisten Burkhard Schröder mit dem Titel „Rezepturen diverser Explosivstoffe“ schon im Internet herum.

Dann kam der April 2008 und das Waffengesetz wurde geändert, danach kam lange Zeit nichts.

Dann kam der 11. November und mit ihm die Polizei, führte eine Hausdurchsuchung bei Schröder durch und beschlagnahmte seinen Arbeitsrechner.

Gestützt war die Durchsuchung auf die §§ 40 und 52 des Waffengesetzes, wonach es verboten ist, zur Herstellung bestimmter Gegenstände (auch Bomben) anzuleiten.

Nach Schröder soll es sich nur um einen theoretischen Text gehandelt haben. Der Artikel selbst ist nicht mehr abrufbar. Auch ist merkwürdig, was Polizei und Staatsanwaltschaft auf einem zuhause stehenden Rechner finden wollen, wenn die angeblich gefährliche Bastelanleitung auf einem Internetserver liegt.

[via]

Überhaupt halte ich es für falsch gegen Bombenbauanleitungen im Internet vorzugehen. Zumindest dann, wenn man Schäubles Angstrhetorik von einer ständig drohenden Terrorgefahr tatsächlich glaubt.

Und das geht so:

Jeder Mensch ist jederzeit in der Gefahr, durch äußere Umstände oder eigene gesundheitliche Probleme in eine medizinische Notsituation zu geraten. Dann ist nicht immer ein Arzt oder Sanitäter schnell genug zur Stelle.

Daraus zog man die sinnvolle Konsequenz, daß jeder, der den Führerschein macht, auch einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen muß. Unabhängig davon werden solche Kurse auch ständig angeboten und beworben, damit dann im Notfall sofort eine Erstversorgung durch kundige Passanten möglich ist.

Nimmt man nun Schäuble ernst, dann ist die Bedrohung durch einen terroristischen Anschlag ebenso allgegenwärtig. Experten, die sich mit den verwendeten Mitteln zur Anschlagsdurchführung (Bomben, Giftgas, etc.) auskennen, sind aber rar gesät und deshalb meist nicht sofort zur Stelle.

Klar ist natürlich, daß man im Ernstfall von einer Bombe oder ähnlichem so schnell wie möglich Abstand gewinnen sollte. Aber es kann Fälle geben, bei denen das nicht möglich ist, zum einen durch räumliche Enge in einem Bus oder einer U-Bahn, zum anderen, weil die Lage oft unklar ist und man nicht bei jedem komisch dreinblickenden Fahrgast, der einen Zug betritt, gleich die Notbremse ziehen kann.

Da wäre es doch besser, man hätte das nötige Grundwissen, um z. B. zu erkennen, ob das, was der Mann in der Hand hält, zum Zünden eines umgeschnallten Sprengstoffgürtels dient oder nur ein MP3-Player ist und ob das Zeug in der herrenlose Tasche, an der man gerade vorbeikommt eher nach Bombe aussieht oder nach Zutaten für einen Gemüseeintopf.

Analog der Ersten Hilfe bei medizinischen Problemen wäre dann eine Erste Hilfe bei möglichen Terrorbedrohungen durch ein der Bevölkerung allgemein zugängliches Grundwissen zum Thema möglich.

Problem dabei ist nur, daß eben das Wissen zur Bombenerkennung (und eventuell -entschärfung) gleichzeitig als Wissen zum Bombenbau benutzt werden kann und umgekehrt und man sich durch Verbreitung oder Interesse an solchen Informationen schnell verdächtig oder gar strafbar machen kann.

Fazit: Wenn genügend Bundesbürger das nötige Wissen zum Bombenbau (und damit auch Bombenabbau) besitzen würden, wären wir vor erfolgreichen Terroranschlägen wesentlich sicherer.

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